Sprache ist Nahrung

Aktualisiert: Juni 24

Unsere Sprache ist das Mittel mit dem wir uns mit „unserer Welt“ austauschen.

Wie ein Radio empfangen und senden wir „Mit-teilungen“. Nur sind wir in diesem Falle kein Radio. Wir senden keine Musik, keine Moderationen und doch verlassen viele Worte unseren Verstand und werden orchestral von unserer Mimik und Gestik dabei begleitet. Die Sprache ist unser Werkzeug, um unsere Gedanken „sichtbar“ zu machen. Sie manifestiert unsere Absichten und schafft Erlebnisse und Erfahrungen.

Die Wissenschaft spricht davon, dass der Mensch am Tag 60.000 Gedanken produziert. Das ist viel. Den bewussten Teil erleben wir als eine Art von Selbstgespräch. Wir sprechen durchschnittlich ca. 7000 Worte am Tag aus. Das sind gerade 4,2 Prozent. Demnach verbleiben 95,8 % , die weiterhin in uns „brodeln“ !?

Woher kommen all diese Gedanken? Diese innere Beschallung, die uns hoffentlich sehr gut gefällt und uns dazu antreibt etwas Gutes mit Ihnen anfangen zu wollen. Etwas ins Leben zu bringen.

Für mich beginnt an diesem Punkt bereits der Aufruf an die Achtsamkeit, denn welche Worte möchte ich in diesem Meer der Wörter nun herausangeln? Welche transportieren meine Intention am besten? Auf welche lenke ich meinen Fokus?

Das Sinnieren ist genau der Moment des „Angelns“. Der Augenblick bei dem wir uns selbst dabei beobachten können, wie wir unser ureigenes Erlebnisprogramm erschaffen.

Das lässt mich an einen Gärtner denken, der sich alle seine Samen vor dem Einsäen genau anschaut und dann erst seine Wahl trifft. Er wählt besonnen aus, was er in der kommenden Zeit ernten möchte und bedenkt dabei ganz bewusst die Faktoren „Zeit“ (Jahreszeit) und „Raum“ (Erde )


Wir säen mit unseren Absichten, Gedanken und Worten, Erlebnisse und Erfahrungen.

Wir säen unseren Lebensgarten.

Es lohnt sich deshalb die Wahl der richtigen Samen bewusst zu treffen.

Wie wir alle wissen gedeiht ein Pflänzchen nur, wenn man es in fruchtbare Erde einpflanzt und beständig wässert.

Die Sprache unterliegt dem Resonanzgesetz. Wie wir etwas sagen und was wir sagen, werden wir als Antwort um ein Vielfaches zurückerhalten und das auf mannigfaltige Weise.

Die deutsche Sprache verfügt über eine Gesamtgröße von circa 300.000 bis 500.000 Wörter je nach Quelle und Zählweise.

Man sagt, dass der deutsche Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe über einen Wortschatz von 80.000 Wörtern verfügte. Ein durchschnittlich gebildeter Deutscher setzt geschätzt 4000 bis 10.000 Wörter ein. Es reichen angeblich 400 bis 800 Wörter, um sich adäquat zu verständigen. Wenn Goethe der mit seinem Drama FAUST (1808) den Ruf die bedeutendste Schöpfung der Deutschen Literatur verfasst zu haben, heute miterleben müsste, wie die Menschheit spricht, würde er sich vielleicht im Grabe umdrehen. Allein auf Social Media würde er schnell feststellen, wie viele potentielle Wort-Akrobaten, gleich einem Dirigenten, ihr Orchester mit festgebundenen Armen dirigieren möchte. Wir müssen längst nicht mehr, wie die Affen „grunzen“ und „juchzen“ und tun es dennoch, indem wir unserer Sprache keine Flügel mehr verleihen. Die Flügel von denen ich hier sprechen möchte und so oft vermisse, entstehen gewiss nicht in unserem Kehlkopf, der unsere Schwingung in Ton umzuwandeln weiß. Unsere Worte können nur in unserem Herzen veredelt werden. Hier entstehen die Worte, die unvergesslich bleiben und ein Leben lang weit tragen können.

Wie gerne erinnern wir uns vielleicht an die Worte unserer Großmütter und Väter, oder an die Stimme der weisen Feen in den Kinderfilmen. Nicht umsonst haben uns ihre Worte berührt! Unbeseelte Worte handeln meistens von einer Sache und beschreiben vielleicht eine funktionale Anwendung. Doch es braucht beseelte Worte, wenn wir die Welt wirklich „bewegen“ und „gestalten“ möchten. Unsere Rede sollte deshalb eine klare und überdachte Absicht enthalten, die wir mit Freude, Wahrheit und Liebe erfüllen, damit sie wirklich auch „nahrhaft“ ist.


Das ist die Meisterschaft. Alles andere mag vielleicht kurzfristig wirken und für Bewunderung sorgen, aber das Pflänzchen nicht wirklich zum wachsen bringen.

In der Regel fokussieren wir uns gerne auf wohlansehnliche Kleidung, pflegen Kopf, Gesicht, Hände und Füße, aber nehmen viel zu oft mit Gelassenheit hin eine Sprache zu sprechen, die einfach so „mitläuft“, aber der kein Zauber innewohnt.

Die Sprache ist „ansteckend“. Vielleicht mag man sich daran erinnern, wie schnell man „Wörter“ annimmt, die man selten bis gar nicht bisher verwendet hatte und die sich nach so mancher Zusammenkunft bei uns „einschleichen“ konnten .

So viral ist Sprache. So viral sind damit auch Gedanken, die wir in unsere Worte kleiden. Was und wie wir sprechen erhalten wir als Antwort und Echo zurück.

Doch was genau transportiert denn nun ein Wort? Zunächst einmal einen Laut, einen Klang. Im besten Falle vielleicht auch eine Bedeutung. Wir deuten auf ein bestehendes Gefühl, einen Gedanken und damit auf eine Haltung und Absicht hin, die uns wichtig ist. Das wäre ein Idealfall. Es passiert jedoch öfter, dass man sich selbst oder einen anderen dabei erwischt, wie er oder sie doch auch mal zum Radio wird und viele Wörter den Kopf verlassen, die bedeutungslos dahin gesprochen zum Sondermüll werden, weil sie nicht an den Zuhörer gerichtet sind und keine „Geschenke“ enthalten.

Diese Wort-Tsunamis, die jeder von uns schon einmal überleben durfte, sind wie „Übergriffe“ und „Diebstähle“. Sie rauben die Kraft und die Zeit des anderen. Diese Wort-Geschwader sind eindrucksvolle und Energie raubende Momente in denen wir erleben können, wie es ist, wenn ein Instrument auf Auto-Pilot Modus geschaltet, völlig außer Kontrolle gerät. Wir erinnern uns sicherlich auch an so manche Gespräche, die keine Mit-teilung für uns enthielten, sondern mehr das Ratequiz „Finde die Botschaft“ im Angebot hatten. Das sind Gespräche, die sofort beim Aufkeimen ein gutes und vor allem schnelles Ende finden sollten, denn sie enthalten, entsenden und erschaffen nichts, außer Unbehagen.

Selbstgespräche öffentlich zu führen, ist nicht nur mutig, sondern auch sehr „trennend“. Ein Gespräch sollte eine „Wir“ – Erfahrung und damit ein gemeinsames Erlebnis adressieren, die das „Du“ anspricht, um ein „Wir“ gemeinsam möglich zu machen. Selbstgespräche sollten daher bei einem Selbst verbleiben. Selbstgespräche werden meistens nur öffentlich gehalten, wenn der Redner seine Gedanken „loswerden“ möchte, weil sie ihm vielleicht unerträglich geworden sind.

Wer von uns wirft schon gedankenlos Müll aus dem Fenster, nur weil er zu viel geworden ist...

Wir alle kennen erhebende, erniedrigende und verletzende Worte und jene, die uns ganz weit ins Leben tragen und unvergesslich bleiben werden. Das sind meistens jene Worte, die uns mit Respekt, Würde und großer Liebe entgegengebracht wurden. Wir benennen diese Augenblicke gerne als „Geschenke“. Packen wir also immer ein Geschenk in unsere Rede ein. Sie bringen Freude und machen Spaß! Einfach mal bewusst ausprobieren, wie schön es ist, wenn ein Gespräch wirklich eine „Mit-teilung“ als Geschenk anbietet. Wenn ihr Zuhörer und Sie so richtig dabei genährt und inspiriert werden.

Ist es nicht faszinierend sich in diesem Zusammenhang darüber klar zu werden über welches machtvolles Instrument wir eigentlich verfügen? Wäre es da nicht fantastisch, wenn wir unsere Sprache noch bewusster bekämen , um sie für uns und für alle zum „Wohlklang“ werden zu lassen? Wäre es nicht ein solcher Spaß, den Klang unserer Stimme auszubilden und die Worte zu sammeln, die wir gerne in unserem Wortschrank hätten und uns „stehen“?

Wohin möchten Sie mit Ihren Worten reisen? Welche Welt möchten Sie mit Ihren Worten erschaffen? Sind Sie bereit ab sofort ihrer Stimme Flügel zu verleihen?

Ihnen noch eine schöne Zeit und ebensolche Gespräche!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Rita-Graciela Werner


Dieser Text ist auch als Podcast hörbar.

Lesetipps:


Thich Nhat Hanh – Achtsam sprechen, Achtsam zuhören

Prentice Mulford - Thoughts are Things

Thich Nhat Hanh – The Art of Communicating

Eckhardt Tolle – Stille spricht

Eckhardt Tolle – Jetzt! Die Kraft der Gegenwart

Eckhardt Tolle – Worte sind Wegweiser

Louise Hay – Die Macht Deiner Worte



Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Mit-teilungen und Gespräche Ihnen und anderen eine Wohltat und Freude sind.




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