Potpourris und Eintöpfe

Aktualisiert: März 19



Eine Inspiration von NATUR IM PUNKT, Sandra Leis, pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin, TEH-Praktikerin, Diplom-Kräuterpädagogin, TEM-WYDA-Trainerin

POTPOURRIS und EINTÖPFE


Ich liebe alles, was einfach ist. Deshalb liebe ich EINTÖPFE über alles. Auf meinem imaginären Speiseplan steht mindestens einmal die Woche ein Einfach-alles-in-einen-Topf-Gericht. Von dieser archaisch-anmutenden, doch in meinen Augen keineswegs obsoleten Festspeise produziere ich immer jene Menge, mit der ich zumindest 3 Tage überleben kann.


Auch für meine mit Liebe verwöhnte Tochter ist dies soweit in Ordnung, solange ich nicht das Wort EINTOPF in ihrer gnädigen Gegenwart in den Mund nehme. Übermannt mich dennoch manchesmal der wie ein Damoklesschwert über uns weilende Dämon der Unachtsamkeit (oder ist es jener der absichtsvollen, mütterlichen Böswilligkeit?), der mich das gänsehautverursachende Unwort laut aussprechen lässt, folgt ohne nur die geringste Verzögerung ein durch Ekel verzerrter Würgereiz-Gesichtsausdruck kombiniert mit dem von mir so gefürchteten Vernichtungs-Blick in meine Richtung, der mir im Grunde nichts anderes verkünden möchte, als: "Du weißt doch, dass ich keine Eintöpfe mag."


Nun gut, mein aufopferndes Mutterherz gewinnt und ich justiere meinen Stimmungsbarometer auf Kompromissbereitschaft und Diplomatie. So koche ich ihr zuliebe keinen Eintopf, sondern z.B. Mexikanisches Chili con carne, Italienisches Minestrone, Szegediner Gulasch, Keltisches Ritschert oder einfach zur Abwechslung mal eine schnelle Onepot-Tomaten-Pasta. Damit kann ich gut leben. Und sie wohl auch. Es ist alles okay, sogar Nachschlag wird gern angenommen. Hauptsache kein EINTOPF!!!


Mit einem Eintopf verbinde ich persönlich einfach mein ganzes irdisches Dasein. Ich assoziiere damit den Ursprung, die Quelle. Die Ursuppe des Lebens war wohl nichts anderes als ein überdimensionaler Eintopf. Die Uressenz, aus dem alles geboren wurde.



Haftet nicht etwas verrucht Alchemistisches an diesem Allerweltsgericht? Die Zubereitung gleicht der sinnlichen Kreation eines Zaubertrunkes. Ein spannendes Konglomerat aus Wasser, Gemüse, Fleisch, Kräutern und Gewürzen, welches sich durch die Einwirkung des Feuerlementes und den mitgegarten Zaubersprüchen am Ende des Prozesses zu einem großen Ganzen verbindet. Spannend deshalb, weil ich zu Beginn nie weiß, was am Ende rauskommt.



Ein EINTOPF ist ein Topf voll Verbundenheit und Harmonie. Je länger der Kochvorgang, desto ausgeglichener das Endergebnis. Und jeder Eintopf-Fetischist wird mir bestätigen, mit jedem erneuten Aufwärmen mundet das harmonische, kunterbunte Kulinarium besser.


Mein Faible für Eintöpfe - lukullisch, wie auch im übertragenen Sinne - ließ mich Anfang des Jahres Ungewöhnliches praktizieren. Dies will ich euch nicht vorenthalten.


Kurze Rückblende in den Jänner:

Die mächtige Sehnsucht nach lichtvoller Leichtigkeit nach einem schwermütigen, dunklen Dezember-Blues motivierte mich zu einer vorgezogenen Frühjahrs-Ausmistaktion. Alle dunklen Ecken, Nischen, Schubladen und Kisten wurden einer genauen Inspektion unterzogen. Vieles Überflüssige musste weichen. Eine verstaubte Schachtel bereitete mir Kopfzerbrechen. Seit Jahren weilte sie mit mir und wurde mit der Zeit immer voller und voller. Sie war berstend bestückt mit den exklusivsten Räuchermischungen. Teilweise von mir selbst gemischt, manche gekauft, viele liebevoll hergestellt und geschenkt von ambitionierten Zauberfrauen und Hexenmännern.



Es ist nun aber so, dass der Akt des Räucherns nicht unbedingt zu meinen liebsten Leidenschaften zählt. Harzige Düfte, wie Weihrauch oder Fichte, finde ich betörend,

Krautiges hingegen störend. Fühle mich nun fast so, als hätte ich mich geoutet, ist doch derzeit ein richtiger Räucher-Boom ausgebrochen. Alles geht in Rauch auf. Nur ich zähle anscheinend höchstens zu den Gelegenheits-Räucherern. Und das nicht nur deshalb, weil meine hochsensible Tochter, sobald sie Rauch in ihrer Nase wittert, ähnliche Grimassen schneidet wie beim Ausspruch des Wortes EINTOPF. Ich bin sicher, dies hat einen tieferen Grund, der jedoch an dieser Stelle nichts zur Sachte tut. Eine Rückführung könnte möglicherweise Aufschluss darüber geben, doch wäre dies eine andere Geschichte. Wichtig hingegen ist, zu sagen, dass ich mich über jedes einzelne Räuchergeschenk der Vergangenheit gefreut habe. Deshalb wäre es mir nie in den Sinn gekommen, die vielen Zauberwerke wegzugeben. Gott Sei Dank hatte ich einen grandiosen Einfall.



Wer mich kennt, weiß, dass ich vor allem die feinstofflichen Duftnuancen der wesenhaften Pflanzenwässer liebe. (Ein Pflanzenwasser entsteht bei der Herstellung von ätherischen Ölen mittels Wasserdampfdestillation.) Ich ließ keine Sekunde verstreichen, schnappte mir alle Gläschen und Kräutersäckchen, leerte alles in eine Schüssel, mischte das Kräuterallerlei mit meinen Händen gut durch und füllte damit meine Leonardo-Destille. Ich wusste, dass das Resultat nichts Vergleichbares aufweisen kann. Ein Potpourri kraftvoller Pflanzenenergie vereint und veredelt in flüssigem Rauch.